(k)ein Nachruf für @afelia

Veröffentlicht auf von felixwernerludwig

Heute hat Marina Weisband, politische Geschäftsführerin der Piratenpartei angekündigt, auf dem nächsten Bundesparteitag nicht mehr für einen Vorstandsposten zu kandidieren. Als Begründung führt sie gesundheitliche Probleme an und den Wunsch, ihr Psychologiestudium zu beenden.

Prompt kommen in der Bundespresse Verlustängste auf und es wird getitelt: „Piratenpartei verliert ihr Aushängeschild“ (N24) oder „Es ist ein schwerer Schlag für die Politik-Aufsteiger: Marina Weisband, Bundesgeschäftsführerin der Piraten, gibt ihren Rückzug bekannt“ (SPON)

Kinder, Kinder, jetzt kommt mal runter. Besonders die Presse. Es ist nicht gerade so, als gäbe es die Piraten erst seit gestern. Und deshalb sollte, wenn es die etablierten Parteien schon nicht begreifen, wenigstens die Journaille mal langsam verstehen, wie die junge Partei tickt.

Die Piraten sind Basisdemokraten, denen es nicht um Köpfe, sondern um Inhalte geht. Dies ist ein Grundton im innerparteilichen Konsens. Natürlich hat Marina viele Fans, sie ist eine kluge junge Frau. Aber einen Führungs-Kult gibt es bei den Piraten nicht. Die Vorstände der Piraten besetzen Funktionen, nicht Posten. Deshalb gibt der Bundesvorsitzende Sebastian Nerz auch auf Pressekonferenzen lieber keine Antworten auf Programmfragen, wenn diese nicht von der Basis entschieden wurden. Viele Profi-Politiker etablierter Parteien würden an dieser Stelle  persönliche Einzelmeinung  wiedergeben, Hauptsache sie verkaufen sich gut in der Öffentlichkeit. Nicht so die Piratenvorstände, die sich selbst strikter Neutralität verpflichtet fühlen.

Die Ämter bei der Piratenpartei sind Ehrenämter. Die Vorstände bekommen zwar Reisekosten erstattet, müssen für ihren Lebensunterhalt aber nach wie vor selber sorgen. Deshalb fragen sich seit geraumer Zeit viele Parteimitglieder mit wachsender Sorge, wie finanziert das eine Studentin mit schmalem Budget? Denn es geht an die Substanz, dutzende Termine quer durch Deutschland zu koordinieren, ohne Sekretär, Chauffeur und Presse-Berater an der Seite.

Wenn Marina sagt; „Ich brauche eine Verschnaufpause“, dann ist das gut so, denn eine Glühbirne, die doppelt so hell brennt, brennt nur halb so lange. Marina ist nicht tot und ist nicht verschwunden, sie ruht sich nur aus. Sie ist und bleibt ein Teil der Piraten und die Piraten ein Teil von ihr. So funktioniert gutes Teamwork eben, man wechselt sich ab.

Und wenn sie will und möchte, werden die Piraten sie jederzeit wieder auf der Brücke willkommen heißen. Bis dahin wünschen wir ihr gutes Gelingen für ihr Psychologie-Diplom und einen erholsamen Schlaf nach einem anstrengenden Jahr. Vielen Dank für alles Geleistete und das, was noch kommen wird. Später.

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Tim 01/25/2012 21:45

"Die Piraten sind Basisdemokraten, denen es nicht um Köpfe, sondern um Inhalte geht."

Ich gönne Marina ihre Auszeit von ganzem Herzen und kann die Gründe mehr als nachvollziehen.

Trotzdem braucht auch eine Piratenpartei Köpfe an der Front die ihr Programm, ihre Denkweise und ihre Sicht auf die Dinge so hervorragend rüberbringen kann wie es Marina tat und tut.
Ohne solche Köpfe ist noch so viel Basisdemokratie nutzlos wenn es Nerz & Co nicht schaffen das sympatisch, verständlich und mit dem "Ja!"-Effekt nach außen zu kommunizieren.