Zensursula und Alice Schwarzer, Seit an Seit gegen die #Piraten

Veröffentlicht auf von felixwernerludwig

In der aktuellen Ausgabe beschäftigt sich das Frauenmagazin Emma mit den Positionen der Piratenpartei zum Feminismus. Schlecht oder gar nicht recherchiert, gerät der Beitrag allerdings zur Schmähschrift an einer basisdemokratischen Partei, die sich ihre Positionen auch nicht von Feministen vorschreiben lässt. Dabei wird argumentativ derart über die Stränge schlagen, das der Unterschied zwischen Gleichberechtigung, um die es Früher einmal in der Frauenbewegung ging, und dem modernen Feminismus nicht mehr zu übersehen ist. Man (Frau) entblödet sich auch nicht, ausgerechnet Ursula von der Leyen an die Seite von Alice Schwarzer zu stellen, um den Piraten mit einem grenzdebilen „Sperren statt Löschen“ Kinderpornografie in die Schuhe zu schieben.

 

„Bekannt geworden sind sie mit ihrem Kampf gegen „Zensursula“. Mit diesem Spitznamen verhöhnten sie die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen, die 2009 den Zugang zu Kinderpornografie-Seiten sperren wollte.“

 

Frau von der Leyen wollte auch: Über 80 Millionen Deutsche anlasslos Vorratsdatenspeichern, und zwar gegen die Verfassung. Und sie wollte die Kinderpornos auch nicht löschen, sondern nur sperren. Caprice?

 

„Zum Thema Kinderpornografie verlieren sie in ihrem Programm übrigens kein Wort.“

 

Außer vielleicht „LÖSCHEN STATT SPERREN“? Aber gut, „Journalistinnen“, die in Bildunterschriften ein Fraktions-Sprecher mit einem Bundesvorstand verwechseln, können auch eine der groß angelegten Kampagnen über den Kampf gegen die Vorratsdatenspeicherung überlesen. So sie denn lesen. Denn auch, wenn man fälschlich gleich mehrere Partei- zu Gründungsmitgliedern macht, verstärkt dies nicht den Eindruck, in der Emma-Redaktion gäbe es professionelle Journalistinnen.

 

„Als Ende November auf einer offenen Plattform der Piratenpartei die Hackergruppe „Anonymous“ Links zu Pädophilen-Foren einstellte – angeblich in der Absicht, eine Anti-Kinderporno Kampagne zu starten, mussten die Piraten zugeben, das ihre auf Offenheit und Anonymität beruhenden Strukturen einen hervorragenden Raum für pädophile Netzwerke abgeben.“

 

Die Piraten haben gar nichts zugegeben, weil es nichts zuzugeben gibt. Die Anonymous-Operation Innocence und Darknet haben in den vergangenen Monaten dazu beigetragen, Kinderpornoringe zu zerschlagen und die Urheber des Materials der Justiz zu zu führen. Für die Benutzung/Missbrauch der Piraten-Server entschuldigten sich Vertreter der Hacker-Gruppen sogar in einem Voice-Chat mit über 200 Piraten bis spät in die Nacht. Klarstellungen/Bekennerschreiben liegen vor und sind überall in Netz zu finden.

 

An dieser Stelle muss man den Autorinnen der Emma langsam aber sicher Bösartigkeit oder Dummheit vorwerfen. Oder die einzige Informationsquelle von Alice Schwarzer ist die Bild-Zeitung. Es geht weiter mit einer Tirade aus Falschheiten, Halbwahrheiten und Unterstellungen übelster Charakterschwächen.

 

„Eine klare Absage an Kinderpornografie sieht anders aus.“
 
„Auch fällt unangenehm auf, dass Überläufer aus dem rechten Lager häufig ihre neue politische Heimat bei den Piraten finden.“
 
„... ziehen eben auch dezidiert demokratiefeindliche Kreise an.“
 
„In der Praxis heißt das: Wir sind ein Männerbund wie jeder andere, bloß behaupten wir, das Geschlecht spiele dabei keine Rolle.“
 
„Das kommt gut an. Bei den Wählern der Piraten, die überwiegend männlich, jung und gebildet sind, aber auch oft arbeitslos.“
 
„Dennoch werden die Piraten – ungeachtet ihrer Mitglieder aus dem rechten Lager – gemeinhin dem linken Spektrum zugeordnet.“
 
„Übelste, pornografisch gefasste Frauenverachtung scheint in politischen Foren, etwa zu den Piraten, selbstverständlich zu sein.“
 
„Das sich Frauen hier nicht willkommen fühlen, ist gewollt. Sie sind nicht willkommen.“

 

Was die Feder der Authorin an dieser Stelle ehrt, ist die stilistische Fähigkeit, all diese Behauptungen ohne eine einzige Quellenangabe oder einen Beleg für ihre Behauptungen anzuführen.

 

Die Mitglieder der Piraten sind also laut Emma:

 

Ein Männerbund von rechten Kinderpornografie-Sammlern, die eine demokratiefeindliche Basisdemokratie missbrauchen, um Frauen zu verachten, welche aber gar nicht da sind.

 

Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn

 

„...wirkt jedoch wie eine Einladung an die antifeministische Rechte“

 

Stimmt, was die Emma-Redaktion hier im Namen der Gleichberechtigung von Frauen aufführt, wirkt wie eine Einladung an alle antifeministischen Kräfte. Und wegen solcher Aussagen nimmt man den Feministinnen auch nicht mehr ab, für Gleichberechtigung zu kämpfen. Hier sollen gezielt extreme Reaktionen provoziert werden, die wiederum als Munition gegen den neuen Gegner genutzt werden können. Welche wohlüberlegten Reaktionen sollte man denn erwarten, wenn man eine Gruppe junger, unbedarfter Männer ununterbrochen unberechtigt als Kinderficker beleidigt?

 

Was aussieht, wie eine Kriegserklärung, ist der Versuch, einen Keil zwischen eine Partei und einem Geschlecht zu treiben. Alice Schwarzer braucht ein neues Feindbild und da kommen die Piraten gerade recht. Nach Kachelmann und PorNo sollen die Piraten bluten, weil bei denen der Frauenanteil zu niedrig ist. Dies folgt einer perfiden Logik von Leuten, die keine echten Feindbilder mehr finden, weil sie den Kampf, den sie seit 30 Jahren kämpfen, längst gewonnen haben.

 

Ach ja, warum bei den Piraten so wenig Frauen sind?

 

Es interessieren sich weniger Frauen für die Politik, auch mit Frauenquote.

 

Es interessieren sich weniger Frauen für die Technik, warum auch immer.

 

Die Schnittmenge aus beiden Mengen ergibt die Piratenpartei.

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