Die Rheinkultur ist tot, es lebe das Rheinauen-Festival

Veröffentlicht auf von felixwernerludwig

Vom angekündigten Flashmob war nicht viel zu sehen, statt dessen waren die Zuschauerränge im Ratssaal Bonns am Mittwoch-Abend mit gut 100 Jugendlichen gefüllt.

Sie wollten wissen, warum es 2012 keine Rheinkultur geben wird.

 

Von dieser Nachricht wurden die Ratsmitglieder scheinbar überrascht, dachte man doch, die aktuellen Probleme mal eben mit dem städtischen Scheckbuch lösen zu können. Aber die Absage war absolut. Die Rheinkultur und das Team der Veranstalter haben das Handtuch nicht nur wegen des finanziellen Risikos geworfen, so der Rheinkultur-Sprecher. Man habe unter Anderem auch mit Problemen der Ordnungsauflagen zu kämpfen gehabt. So sei ein Teil der 80.000,-Euro-Förderung einbehalten worden, um „jeden umgeknickten Grashalm“ zu bezahlen. Hier sehen die Betreiber eine klare Schräglage in der städtischen Kulturförderung. „In der Stadt grassiert eine Beethovenmania“ und dies sei ein "eindeutiges Zeichen an die freie Kultur".

 

Daran konnten auch die Verbundenheitsbekundungen der zahlreichen Ratsmitglieder nichts ändern, merkte man doch auch gleich, welchen Bildern die Abgeordneten nachhingen, waren sie doch scheinbar seit Jahren auf keiner Rheinkultur mehr selber gewesen. Erste Unschulds-Vermutungen kamen aus den Reihen der CDU, man habe immer Signale an die Verwaltung gesendet, die Rheinkultur längerfristig sichern zu wollen, aber man wolle auch „nicht jedes Jahr aufs Neue über Einzelbeträge diskutieren“. Hierauf reagierte der anwesende Geschäftsführer der Rheinkultur GmbH prompt. Für eine Veranstaltung dieser Größenordnung reichen Willensbekundungen nicht aus, Gespräche seien von der Stadt angekündigt worden, hätten aber nie statt gefunden. Statt dessen sei seitens der Stadtverwaltung klar gestellt worden, eine Aufstockung der Zuschüsse werde es nicht geben.

 

"Wenn einerseits die Bezüge für das Beethovenfestival hochgesetzt werden, dann kommt das nicht gut an, angesichts von Diskussionen mit Ämtern um willkürlich platzierte Hydranten auf der Rheinauenwiese."
http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10490&detailid=964916&tw=1

 

„Rock und Pop sind ein Teil der sogenannten Popularmusik und damit ein Bestandteil der Kultur.“ Ungerockter hätte es der Vorsitzende an diesem Abend nicht auf den Punkt bringen können.

Wie weit die Rats-Herren und -Frauen von der kulturellen Realität in der Rheinaue entfernt sind, machten viele der folgenden Wortmeldungen deutlich. Die Rheinkultur wurde verglichen, mit den 5.000-Mann-Veranstaltungen, die man selber schon mal organisiert habe oder ob man in der Rheinkultur-GmbH denn auch ausbilde, wollte eine Ratsherrin der SPD wissen. Wenn man denn auf Zuschüsse gänzlich verzichte, so die Wortführerin der SPD, so habe das ja auch den Vorteil, sich an viel weniger Auflagen halten zu müssen.

 

http://www.festivalisten.de/wp-content/uploads/2011/07/rheinkultur11_impressionen_.07.jpg
 Der Rheinkultur fehlte die Lobby und der Rückschluss lautet: Wer im Bonner Stadtrat was wollen will, der braucht eine Lobby. Ähnlich, wie ein neues Festspielhaus eine Lobby hat, mit einem 1.000-Mann-Freundes-EV, EX-DGB-Funktionären, einer kampagnenfähigen Handelskammer oder Klassik-Fans im Stadtrat. Mit den Veranstaltern der Rheinkultur hat jedenfalls im Vorfeld niemand konkret gesprochen. Es wurde an diesem Abend auch nicht mehr besser. Als es später im Kulturausschuss um das Gelände des alten Schlachthofes ging, um Kulturprojekte „über den Winter zu bringen“ (SPD), wurde seitens der Verwaltung auf Verkehrsplanungen und Überlegungen zum Endenich-Campus verwiesen. Da wird wohl ein Teil der Bonner (Klein-)Kunst den Winter nicht überleben. Sei es drum, Hauptsache die Stadtplaner sind glücklich. Operation gelungen, Patient tot.

Wie sehr mögen wohl die 100 Jugendlichen, die am Mittwoch zum ersten mal den Bonner Ratsaal von innen gesehen haben, sich von der Politik im Stadthaus vertreten fühlen?

 

Während man im Ratssaal noch lange Gesichter zog, diskutierten vor der Tür schon Kölner Diskotheken- und/oder Sonnenstudio-Betreiber, welchen neuen Namen das zukünftige Rheinauen-Festival denn tragen solle. Eines ist sicher, die Kultur ist mal wieder ein Opfer der Kulturpolitik geworden.

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